In der Grabanlage von Sakkara (2345 v.Chr.) ist im Grab des Ankhamahor (6. Dynastie) ein Bild einer Beschneidung zu erkennen. Beschneidung war im Alten Ägypten ein häufig rituell durchgeführter Eingriff. Im Tempel von Karnak (1300 v.Chr.) wird von Penektomien (Abtrennung des Penis) an 13000 Feinden berichtet.
Judentum
Berit Mila -- die Beschneidung. Die Beschneidung geht auf Gottes Bund mit Abraham zurück: Gott sprach zu Abraham: Du aber, du wahre meinen Bund, du und dein Same nach dir in ihre Geschlechter. Dies ist mein Bund, den ihr wahren sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Beschnitten unter euch sei alles Männliche. Am Fleisch eurer Vorhaut sollt ihr beschnitten werden, das sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Mit acht Tagen soll alles Männliche unter euch beschnitten werden, in eure Geschlechter, Hausgeborner und von allirgend Fremdem um Geld Erworbner, der also nicht deines Samens ist, beschnitten werde, beschnitten dein Hausgeborner und dein Gelderworbner, mein Bund sei an eurem Fleisch zum Weltzeit-Bund. Ein vorhautiger Mann aber, der am Fleisch seiner Vorhaut sich nicht beschneiden läßt, gerodet werde solch Wesen aus seinen Volkleuten, meinen Bund hat er gesprengt. (Genesis 17, 9 - 14)
Griechenland
In der klassischen griechischen Medizin beschreiben, klassifizieren und operieren Heliodorus und Antyllus 1. Jhr. n. Chr. Hypospadien und Penismissbildungen. Der berühmte Arzt Galen (130 bis 199 n. Chr. in Pergamon/Westanatolien) beschreibt Chordae, Ejakulationsbeschwerden und Probleme beim Geschlechtsverkehr im Zusammenhang mit Hypospadien.
Islamische Medizin
Die klassische islamische Medizin war weit fortgeschritten. Al-Zahrawi Abui-Qasim Khalaf ibn Abbas (Abucasis von Cordoba) im islamischen Spanien von 936 bis 1013 führte Operationen am Penis durch. Es sind viele Aufzeichnungen über chirurgische Instrumente erhalten. Sabuncuoglu Serafeddin (15. Jhr.) war ein weiterer islamischer Chirurg, der über ausgefeilteste chirurgische Methoden verfügte.
Im Europa des Mittelalters ist außer dem "Steinschneiden" sehr wenig über die Chirurgie des Urogenitaltrakts bekannt. Erst in der Renaissance entwickelt sich eine selbstbewusste und ergebnisorientierte Medizin. Jean Fernel behandelt die Chordae von Henri II. von Frankreich, der danach Vater von 10 Kindern mit Catherine de Medici wird (16. Jhr.). In Rom wird im 16. Jhr. eine Ehe aufgrund der Hypospadie mit Chordae des Mannes geschieden.
Im 19. Jahrhundert werden die entscheidenden chirurgischen Innovationen entdeckt (Hygiene, Antisepsis, Anästhesie, Schmerzbehandlung). Damit ist nun Chirurgie auf hohem Niveau möglich. Wien wird zu einem Zentrum der Medizin in der Welt ("Wiener Medizinische Schule"). Einige der wichtigsten Errungenschaften in der Chirurgie der Hypospadie sind:
Dieffenbach 1837 Glanspiercing als Urethraplastik
Duplay 1874 inkomplette Urethraplastik
Mathieu 1932 U-förmiger Lappen zur Urethraplastik
Denis Browne 1949 „buried incomplete urethral plate“ Urethraplastik
Monfort und Lucas 1982 präoperatives Testosteron
Snodgrass 1994 tubularised incised plate urethroplasty
Hadidi 1998 Y-V-Glanduloplasty in Modified Mathieu Urethroplasty
(aus: Hypospadias Surgery – An Illustrated Guide, Hrsg. Hadidi AT, Azmy AF, Springer, Heidelberg 2004)