Während die distalen Formen häufig nur eine kosmetische Indikation zur Korrektur besitzen, haben proximale Hypospadien in der Regel ein funktionelles Defizit. Bei der operativen Intervention müssen folgende Aspekte berücksichtigt und korrigiert werden:
Es wurden unzählige Operationsmethoden zur Korrektur der Hypospadie beschrieben. Die „optimale“ Methode existiert nicht. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Art der Hypospadie und den Präferenzen des Operateurs ab. Trotz des Wunsches nach Standardisierung sollte jede Hypospadie individuell betrachtet werden. Wahl des Verfahrens, des Nahtmaterials, Katheter, Verbände, ein- oder zweizeitiges Verfahren, usw. werden kontrovers diskutiert.
Distale Hypospadien werden häufig nach den Verfahren nach MATHIEU und SNODGRASS (tubularized incised plate urethroplasty) operiert. Beide Methoden liefern gute Ergebnisse und sind technisch einfach. Zusehends wird auch das von HADIDI modifizierte Verfahren nach MATHIEU mit YV-Plastik verwendet. Es wird dabei weder ein suprapubischer Katheter noch ein Urethralstent verwendet. Dies führt zu einer sehr hohen Akzeptanz bei Patienten und Eltern, verkürzt die Liegezeit und scheint außerdem die Komplikationsrate zu senken.
Proximale Hypospadien sind schwer zu therapieren, weisen eine höhere Komplikationsrate auf und sollten deswegen dem Zentrum vorenthalten sein. Die Vielfalt der Operationsmethoden wurde schon erwähnt. Man unterscheidet ein- und mehrzeitge Methoden. Als Ersatzmaterial zur Urethrakonstruktion werden Vorhaut, Penisschafthaut und z.B. Mundschleimhaut beschrieben. Asopa et al. haben 1971 die Verwendung des tubularisierten inneren Vorhautblattes beschrieben und damit die operative Technik revolutioniert. Zunehmend wird das bereits oben erwähnte Verfahren nach Snodgrass (tubularized incised plate urethroplasty) auch in der Therapie der proximalen Hypospadien verwendet. Hadidi beschreibt ein elegantes einzeitiges Verfahren mit sehr guten Ergebnissen und einer geringen Komplikationenhäufigkeit – den lateral based flap.
Bracka propagiert die zweizeitige operative Therapie und kann damit sehr gute Ergebnisse liefern. Während der ersten Operation wird die Penisverkrümmung korrigiert, minderwertige und narbige Hautareale entfernt und die Neourethra in Form einer Platte angelegt, z.B. aus Mundschleimhaut. Während der zweiten Operation wird die die eigentliche Urethraplastik durchgeführt.
Die Penisbegradigung erfolgt nach artifizieller Erektion durch Entfernung der narbigen ventralen Stränge (Chordae) und speziellen Techniken, z.B. nach Nesbit.
Die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums wird kontrovers diskutiert, bei der Anlage eines Katheters wird es in der Regel gegeben und scheint Infekte und Komplikationen zu reduzieren. Trimethoprim oder Cephalosporine finden Verwendung.
Ähnlich verhält es sich mit der präoperativen Verwendung von parenteraler oder topischer Gabe von Testosteron, welche ein Peniswachstum, eine Verringerung der Chordae und bessere Hautverhältnisse herbeiführen soll. In der Praxis hängt die Verwendung von den Vorlieben des Operateurs ab.
Katheter und Urethralschiene?
Die Verwendung von Urethralschienen und Katheteren hängt ebenfalls von den Vorlieben, der Erfahrung, der verwendeten Technik und dem Grad der Hypospadie ab. In der Regel wird eine Urethralschiene für einige Tage eingelegt. Ein suprapubischer Katheter wird immer seltener Verwendung. Katheteren und Schienen sind mit langer Hospitalisation, Immobilisation, Traumatisierung und Infektgefahr verbunden. Deswegen ist die Frage nach deren Sinnhaftig- und Notwendigkeit legitim. Hadidi et al. beschreiben eine prospektive randomisierte Studie, in der das Weglassen von Katheter und Urethralschiene eindeutig von Vorteil belegt ist.