Die Kinderchirurgische Abteilung der Medizinischen Universität Wien, AKH verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Trichterbrustchirurgie. Dadurch bietet dieses Exzellenz-Zentrum im AKH die bestmögliche chirurgische Kompetenz und Erfahrung mit traditionellen und modernen minimal-invasiven Methoden. Kombiniert mit unserem spezialisierten Kindernarkoseteam, einer kompetenten und kompletten Abklärung und eigener physiotherapeutischer Betreuung garantieren wir die Erfüllung allerhöchster Qualitätsstandards in der Behandlung dieses Krankheitsbildes.
Definition
Trichterbrust (Pectus excavatum oder englisch auch “funnel chest”) bezeichnet eine abnormale angeborene oder erworbene Einziehung (Trichter) der vorderen Brustwand (Brustbein = Sternum). Die Ursache für diese Einziehung ist ein abnormales Wachstum der Rippenknorpel, die das Brustbein mit den knöchernen Rippenanteilen fixieren. Wenn der Defekt auf beiden Brustkorbseiten gleichmässig ausgebildet ist, spricht man von einer symetrischen Trichterbrust (Sternum steht gerade). In vielen Fällen kommt es jedoch zu einer einseitigen Deformierung (asymetrische Trichterbrust, Sternum rotiert) oder in seltenen Fällen auch zu einer Kombination mit einer Vorwölbung des Brustbeines (Kielbrust).
Häufigkeit und Ursache
Die Trichterbrust ist die häufigste Brustkorbfehlbildung (ca. 1 unter 1000 Kindern). In einigen Fällen kann eine familiäre Häufung (Genetik noch unklar) gezeigt werden, in seltenen Fällen besteht gleichzeitig ein „Marfan-Syndrom“ (auch bei Homozystinurie oder Ehlers-Danlos Syndrom). Selten tritt eine Tricherbrust nach Vorerkrankungen oder Voroperationen (Zwerchfell- oder Brustwandoperationen) auf. Die Ausprägung kann minimal oder schwer sein, wobei es dann zu einem Verdrängung von Herz und/oder Lunge mit Funtionseinschränkungen kommen kann. Die Ausprägung verschlechtert sich häufig mit zunehmendem Alter oder Wachstum (Wachstumsschub im Kindesalter oder Pubertät).
Verursacht eine Trichterbrust Symptome und welche?
Durch die Deformierung des Brustkorbes kann es zu einer Verschiebung des Herzens (meist nach links) kommen. Selten und in Abhängigkeit der Ausprägung ergeben sich dadurch meist nur harmlose Funktionseinschränkungen (meist Rhythmusstörungen, ca. 15 % Mitralklappenprolaps). Durch die Deformation kann es auch zu einer Einschränkung der Entfaltungsmöglichkeit der Lungenflügel kommen, was jedoch von den meisten Patienten kaum bemerkt wird. Körperliche Schmerzen sind selten oder treten erst bei älteren Kindern (Wachstumsschub im Bereich der Rippenknorpel) auf. Viele Kinder, vor allem jüngere, sind zunächst asymptomatisch, d.h. ohne jegliche Beschwerden.
Kinder mit milder Ausprägung können geringe Lungenfunktionseinschränkungen zeigen bzw. an vermehrten und/oder ausgeprägteren Atemwegserkrankungen leiden.
Kinder mit mittleren bis schweren Deformationen zeigen häufig zusätzlich belastungsabhängige Atemwegsbeschwerden bzw. Leistungseinschränkungen
Im Jugendalter können zusätzlich auch Brustkorbschmerzen auftreten.
In Abhängigkeit von Ausprägung und Alter (v.a. Pubertät) besteht sehr häufig ein extremer psychischer Leidensdruck und seelische Belastung mit möglichen sozialen Folgen für den Patienten.
Meist kommt es zu Fehlhaltungen (hängende Schultern, schlechte Brustkorbhaltung) und daraus resultierenden Haltungsschäden (Skoliose,Wirbelsäulenverkrümmung).
Wie wird die Trichterbrust diagnostiziert?
Die diagnostische Abklärung einer Trichterbrust sollte unbedingt an einem spezialisierten Kinderchirurgischen Zentrum (AKH-Kinderchirurgie, Medizinische Universität Wien) erfolgen. Im AKH-Wien bieten wir Ihnen die komplette und kompetente Abklärung mit den modernsten diagnostischen Methoden und erfahrenen Spezialisten.
Besteht lediglich eine minimale Ausprägung ohne körperliche Beschwerden kann zunächst durch konservative Maßnahmen (Physiotherapie) der Verlauf abgewartet werden. Grundsätzlich kann jedoch jede Trichterbrust operativ korrigiert werden, als Mindestalter empfehlen wir am AKH-Wien das 6. Lebensjahr. Eine operative Korrektur im Kleinkindesalter ist extrem selten und nur bei massivsten Fehlbildungen oder Begleiterkrankungen notwendig.
Zur operativen Korrektur stehen heute die traditionelle „Ravitch-Rehbein Methode“ und die neue minimal-invasive „Nuss-Methode“ zur Verfügung.
Operationsmethoden?
Die Kinderchirurgie der Medizinischen Universität Wien (AKH) verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Trichterbrustchirurgie und stellt durch die Entwicklung, Etablierung und Perfektionierung sowohl tradioneller (Ravitch-Rehbein) als auch neuer Operationsmethoden (Nuss-Technik) eines der spezialisiertesten Zentren in Österreich dar.
Grundsätzlich dienen beide Techniken zur Korrektur der Trichterbrust. Beide Techniken führen zur Verbesserung bzw. Wiederherstellung einer normalen Brustkorbform bzw. zur Verbesserung oder Beseitigung körperlicher Einschränkungen und Beschwerden.
In der überwiegenden Anzahl der Patienten (Ausnahme: massiv ausgeprägter Asymetrie) kann heute jedoch die Methode nach Nuss angewandt werden. Diese Methode bietet gegenüber der Ravitch-Rehbein Methode folgende Vorteile:
Die anästhesiologische Betreuung vor-, während und nach der Operation erfolgt nach modernsten und höchsten Standards durch unser spezialisiertes Kindernarkoseteam (Prof. Marhofer und Prof. Kettner). Bereits kurz nach der Operation beginnt eine eigens entwickelte Bewegungstherapie und Mobilisation durch unsere geschulten Physiotherapeutinnen. In den meisten Fällen beträgt durch all diese Maßnahmen der Spitalsaufenthalt nur wenige Tage.
Traditionellerweise beraten und behandeln wir natürlich auch „nichtjugendliche“ Trichterbrustpatienten.
Bei einem Besuch in unserer Trichterbrustsprechstunde (Kinderchirurgische Ambulanz 6B, AKH-Wien) werden wie Sie und Ihr Kind ausführlich über die geeignete Methode aufklären und beraten.
Stand: Feb 2006
Erstellt von: Univ.-Doz. Dr. Winfried Rebhandl