»
Übersicht
Obstipation - VerstopfungWas versteht man unter Obstipation ?
Die Obstipation ist definiert als:
- Eine Abnahme der Stuhlentleerungsfrequenz im Vergleich zur “normalen” Frequenz (also spontane Stuhlentleerungen im Abstand von 3 oder mehr Tagen)
- Motilitätsstörung des Dickdarmes oder Anorektums mit schwieriger Stuhlentleerung
- Schmerzhafte Stuhlentleerungsstörung mit hartem, trockenen Stuhl
Wodurch wird die Obstipation verursacht ?
Manchmal findet sich primär keine identifizierbare Ursache. Bei Kindern können jedoch folgende Ursachen vorliegen:
- unausgewogene Diät – Ernährung: Zu wenig Balaststoffe, zu viel Fett (z.B. Junk-Food, Soft-drinks…)
- geringe Flüssigkeitszufuhr
- Bewegungsmangel
(zunehmender TV-konsum, Video-computerspiele, zu wenig Sport…) - Psychisch-emotionale Faktoren: Schulkinder, Kindergartenkinder zeigen manchmal Stuhlverhalten beim Benutzen öffentlicher/fremder Toiletten; Kleinkinder bei der Windelentwöhnung, Ängstlichkeit der Eltern; Obstipation als Instrument in einem eventuellen Machtkampf mit den Eltern; Stress in der Familie, Schule, Freunde
- Sehr lebhafte – aktive Kinder: Ignorieren manchmal den Stuhldrang und „vergessen“ auf die Toilette zu gehen; Einschulung, Wechsel oder Umstellung von Toilettgewohnheiten
- Bei beginnender Obstipation kann sich leicht eine Art “Teufelskreis” entwickeln: harter Stuhl führt zur schmerzhaften Stuhlentleerung, wodurch wiederum ein Stuhlverhalten durch das Kind resultiert
Obstipation kann jedoch durch andere Erkrankungen oder Probleme verursacht werden:
- Fehlbildungen des Dickdarms, Rektum oder Anus (Motilitätsstörung neurogener, myogener oder bindegewebiger Natur)
- Zustand nach Operation (Analatresie, Morbus Hirschsprung..)
- Erkrankungen des Rückmarkes (Spina bifida, Querschnittslähmung, Paresen..)
- Hormonstörungen (z.b. Hypoparathyroidismus)
- Medikamente
Warum muss eine Obstipation beachtet werden ?
Harter Stuhl kann zu Irritationen und Verletzungen im Bereich des Anus und der Schleimhaut führen (Fissuren). Dadurch wird die Stuhlentleerung schmerzhaft und es kann durch Verhalten zur Ansammlung grosser und harter Stuhlmengen im Rektum ein verminderter Dehnungsreiz und damit eine verminderte Wahrnehmungsschwelle entstehen. Dies führt schliesslich zum sogenannten Circulus vitiosus = Teufelskreis (weitere Stuhlentleerung wiederum schmerzhaft, was wiederum zu chronischem Stuhlverhalten und Obstipation führt).
Wie sind die Symptome einer Obstipation ?
Die Symptome können bei jedem Kind unterschiedlich ausgeprägt sein, am häufigsten findet man:
- Stuhlentleerung im Abstand von mehreren Tagen
- Schmerzhafte Stuhlentleerung, harter, trockener Stuhl, bzw. riesige Stuhlmassen
- Aufgetriebenes Abdomen, Bauchschmerzen, Krämpfe
- Verminderter Appetit
- Angestrengtes Verhalten (vermeiden der schmerzhaften Toilette) mit „Zähne zusammenbeissen“, überkreuzte Beine, zusammengepresste Gesäßbacken, Gesichtsrötung
- Stuhlschmieren bzw. „Überlaufenkopresis“ (kleine Stuhlmengen entleeren sich unwillkürlich)
Wie erfolgt die Diagnose ?
Bitte besuchen Sie mit Ihrem Kind unsere Kinderchirurgische Ambulanz im AKH. Der Kinderchirurg wird Ihr Kind genau untersuchen und abhängig von Alter, Vorerkrankung u.U. folgende Fragen stellen:
- Wann hat das Kind nach der Geburt den ersten Stuhl abgesetzt?
- Wie oft hat ihr Kind Stuhl (Intervall in Tagen)?
- Klagt das Kind über Schmerzen beim Stuhlgang?
- Wird derzeit ein Toilettraining durchgeführt?
- Woraus besteht die Ernährung des Kindes?
- Gibt es Stress: Schule, Familie, Freunde?
- Besteht ein Stuhlschmieren oder Einkoten?
In selten Fällen müssen weitere diagnostische Untersuchungen (Ausschluss anderer Ursachen) durchgeführt werden:
- Abdomen-Röntgen – Abschätzung der Stuhlmassen im Dickdarm
- Ultraschalluntersuchung – Strahlungsfreie Untersuchung des Bauchraumes
- Kontrastmitteleinlauf - durch einen kleinen Einlauf mit einem Kontrastmittel kann in der Röntgenaufnahme der Dickdarm und eventuelle Fehlbildungen, Abnormalitäten dargestellt werden
- Druckmessung - Manometrie – Einführungen einer dünnen Drucksonde zum Auschluss eines M. Hirschsprung (Aganglionose)
- Probenentnahme/Rektum-Schleimhautbiopsie - in Kurznarkose wird eine winzige Probe der Darmschleimhaut entnommen und mit feingeweblich sowie mit biochemischen Methoden untersucht (Ausschluss von A- bzw. Dysganglionose).
Wann sollten Sie den Kinderchirurgen kontaktieren?
Falls Sie Fragen oder Bedenken bezüglich einer eventuellen Stuhlentleerungstörung oder - gewohnheit Ihres Kindes haben, sollten Sie die Kinderchirurgische Ambulanz 6B-grün im AKH aufsuchen.
Wie wird die Obstipation behandelt ?
Eine speziell angepasste Behandlung Ihres Kindes wird vom Kinderchirurgen nach einem Besuch in der Kinderchirurgischen Ambulanz, nach ausführlicher Untersuchung und eventueller weiteren Abklärung empfohlen. Die Therapie kann abhängig sein von:
- Alter des Kindes
- Vor- oder Begleiterkrankungen
- Gesundheitszustand des Kindes
- Ausmaß der Obstipation
- Ursache und Typ der Erkrankung
- Akzeptanz oder Toleranz gegenüber speziellen Therapien oder Medikationen
- Erwartungshaltung, Bevorzugung bestimmter Therapien durch die Eltern
Stand: Februar 2006
Erstellt von: Univ.Doz. Dr. Winfried Rebhandl